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Bericht über die Veranstaltung „50 Jahre Eurasier-Zucht“ am 16./17.10.2010 in Nümbrecht

„Die Entstehungsgeschichte des EURASIERS ist einmalig und anders als die seiner Artgenossen…“

Julius Wipfel in "Eurasier"

Mit diesem Zitat aus seinem Buch beschreibt Julius Wipfel selbst in kurzen Worten, was in jeder Beziehung nicht nur für den Werdegang dieser Rasse gilt, sondern sich bis in die Gegenwart ihrer Weiterentwicklung beobachten lässt.

Die Begeisterung für diese Hunde, die es den Pionieren überhaupt ermöglichte, in so kurzer Zeit eine Rasse auf den Weg zu bringen, ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.

Auf der anderen Seite reihen sich in dieser Geschichte auch die trüben Kapitel der typisch menschlichen Seite aneinander wie die Perlen einer Kette.

Und leider – wie in der Historie im Allgemeinen – lernt man in den seltensten Fällen aus den Ereignissen.

Umso mehr erfreut es den Chronisten, wenn er gerade anlässlich einer Jubiläumsveranstaltung das beschreiben kann, was für den weiteren Werdegang nach 50 Jahren wieder einen Schritt darstellt, der der Rasse Eurasier nur gut  tun kann.

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Rückblick

Zur Berichterstattung gehört unbedingt ein kleiner Exkurs in die jüngste Vergangenheit der Eurasier-Geschichte, um die Besonderheit dieser Jubiläumsveranstaltung verdeutlichen zu können.

Waren durch die oben erwähnten menschlichen Seiten im Laufe der Zeit in der Eurasier-Zucht bereits viele verschiedene Gruppierungen/Vereine entstanden, trennten sich 1995 erneut Einige aus einer bestehenden Organisation, der ZG, um ihren gesteckten Zucht-Zielen weiter folgen zu können; darunter unter anderem einer der Pioniere der Eurasier-Zucht, Dr. Werner Schmidt und einer seiner engsten Freunde, Reiner Linden. Sie gründeten 1996 die IGAE, die Interessengemeinschaft für altstämmige Eurasier.

2008 entstand auf besonderen Wunsch einiger Züchter, die den neuen Zuchtverantwortlichen der KZG nicht folgen wollten, PRO EURASIER. Die Mitglieder dieses Eurasier-Vereins, waren und sind offen für die heutigen Erkenntnisse der Rassehundezucht und tragen auch unkonventionelle Wege in der Zucht eigenverantwortlich mit.

Im Februar 2009 trafen sich u.a. Vertreter dieser beiden Gruppierungen um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Hierbei war es sicher besonders hilfreich, dass sich die Gesprächspartner bereits vor fast 25 Jahren beim ersten Eurasier-Symposium kennengelernt hatten. Gleich von Anfang an stellte man fest, wie sinnvoll eine solche Zusammenarbeit sein könnte und tauschte die Liste der Zuchtrüden aus.

Im Verlauf der Planung der großen Jubiläumsfeier „50 Jahre Eurasier-Zucht“ wurde darüber hinaus der Wunsch stärker, die Mitglieder der beiden Organisationen durch ein gemeinsames Fest näher zu bringen; soweit zur Vorgeschichte der Veranstaltung.

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Die Ausstellung

Nach gemeinsamer Vorbereitung traf man sich am Donnerstag in Nümbrecht, um die Ausstellung zur Eurasier-Historie zu gestalten. Erst hier wurde deutlich, dass diese beiden Gruppierungen über das entscheidende historische Dokumentationsmaterial der Eurasier-Zucht verfügen, dass nun anlässlich der 50 Jahr-Feier einander zugeordnet wurde. Damit konnte eine der interessantesten und authentischsten Ausstellungen entstehen, die je in einer Eurasier-Dokumentation gezeigt wurde.

Ausgehend von den beiden ersten Original-Zuchtbüchern, handschriftlich von Elfriede Wipfel geführt, den von Julius Wipfel erstellten, durch eigenhändige Skizzen ergänzten Zuchtpläne, die Original-Dokumente der Anerkennung des Wolf-Chows, als auch die des Eurasiers, gab es die zugeordneten Fotos der ersten Wolf-Chows und des eingesetzten Samojeden. Dokumente von Julius Wipfel, die er vor seinem Tod in das Privateigentum von Peter Guhrmann übergeben hatte, die von regionalen Zeitungsausschnitten zu den Züchtern der ersten Stunde über den Bericht einer deutschsprachigen argentinischen Zeitung zur Neuentstehung einer Rasse bis zu hoch interessanten Briefwechseln reichten, ließen das Herz eines jeden interessierten Eurasier-Freundes höher schlagen.

Zugeordnet werden konnten darüber hinaus Unterlagen von Charlotte Baldamus, ihre ausführliche, handschriftlich geführte Kartei, ihre damaligen, noch heute spannend zu lesende Briefwechsel, die nicht zuletzt die Ursachen der ersten Abspaltung, der ZG, verdeutlichten. Aber auch die folgenden Jahre kamen nicht zu kurz. Zeitschriften, Kalender der verschiedensten Herausgeber, eine umfangreiche Pressedokumentation bis in die heutige Zeit und die derzeit über den Eurasier existierende Literatur wurden präsentiert.

Eine Fülle unterschiedlichster, zugehöriger Objekte rundete die Ausstellung ab. Wer sie gesehen hat, wird bestätigen können, dass hier von den Wurzeln bis zur aktuellen Gegenwart eine Historie verdeutlicht werden konnte, die in ihrer Art und Zusammenstellung einmalig bleiben wird.

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Die Festveranstaltung mit Vorträgen

Diente der Freitag neben dieser Ausstellung dem zwanglosen Kennenlernen der bereits angereisten Teilnehmer, begann der Samstag mit einer Eurasier-Wanderung. Sie führte durch den weitläufigen Kurpark in den angrenzenden Wald hinaus und sorgte damit dafür, dass unsere Eurasier ihren Auslauf erhielten.

Der Nachmittag war zwei großen Projekten gewidmet - im dafür ideal geeigneten Großen Kursaal des Park-Hotels standen zwei Vorträge an, die Multi-Media Show „Der Eurasier in den verschiedenen Vereinen“, im Anschluss daran die Dokumentation „Vom Wolf-Chow zum Eurasier“.

Wenn auch die Vorbereitungen zu solchen Darstellungen immense Zeit benötigen, so ist es doch immer wieder erfreulich mitzuerleben, wie interessiert das Publikum einer fast vier Stunden dauernden Multimedia-Show folgt, wenn es um die Historie des Eurasiers vom Beginn bis zum DNA-Projekt geht.

An Authentizität nicht zu überbieten, gelang es Herrn Dr. Werner Schmidt die historischen Ereignisse um Charlotte Baldamus, seinen Lehrer, Prof. Dr. Konrad Lorenz und dessen kynologischen Weggefährten Eberhard Trumler mit Hilfe einer Fülle historischer Bilder darzustellen.

So rundete dieser Vortrag den vorhergegangenen Gesamtüberblick in nahezu idealer Weise ab.

Bevor das anschließende Festbüffet eröffnet werden konnte, wurden verdiente Eurasier-Freunde geehrt. Eine Tombola mit vielen – auch historischen Gewinnen – trug zur Freude der Anwesenden hie und da bei den kleinen und vor Allem bei den großen Gewinnen zur natürlich weitestgehend Eurasier-geprägten Unterhaltung bei.

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Die Zuchtstätten-Präsentation

Am Sonntagnachmittag folgte dann die Zuchtstätten-Präsentation der gemeldeten Eurasier aus der IGAE und PRO EURASIER. Besonders erfreulich war die Tatsache, dass eine Hündin des ersten gemeinsamen Wurfes 2010, aus einem PRO-Eurasier-Rüden und einer IGAE-Hündin den Anfang der Präsentation machen konnte.

Im Folgenden gab es durch das Vorstellen der anwesenden Hunde interessante Erkenntnisse auf beiden Seiten.

Der IGAE ist es auf wunderbare Weise gelungen in ihren Reihen einen Eurasier-Typus zu erhalten, der – auch durch Einsatz einer sorgfältig ausgewählten Chow-Chow-Hündin – stark an die ersten typvollen Eurasier erinnert, die noch nahe am Wolf-Chow standen. So findet man in deren Ahnennachweisen verstärkt die alten Linien der Jägerhof-, Birkenbruch- und Weidenhof-Abkömmlinge. Vom Verhalten zeigten sich diese heutigen Vertreter ruhig und gelassen, auch in der ungewohnten Situation, wie sie diese Jubiläumsfeier darstellte.

Die PRO Eurasier kommen aus Zuchtrichtungen, deren sowohl in- als auch ausgezüchteten Exemplare überwiegend aus KZG-Linien stammen und aus zahlreichen Ahnen der verschiedenen nationalen und internationalen Linien aus Frankreich, Schweiz, Spanien hervorgegangen sind. Das Erscheinungsbild reicht vom überwiegend schlanken, eleganten, zum Teil wolfstypischen bis zum mittleren Typ. Besonderen Anklang fand die im wahrsten Sinne der Wortes „ansprechende“ schwarze Eurasier-Hündin aus der Verpaarung eines Samojeden mit einer Eurasier-Hündin, ein erstes Projekt 2009 mit Wiedereinkreuzung einer Ursprungsrasse von PRO EURASIER.

Für alle Beteiligten war es ein Erlebnis, die Vielfalt der an diesem Tag vorgestellten Eurasier zu sehen.

Für Herrn Dr. Schmidt und mich als Biologen ein wunderbares Zeichen, dass es uns um die Eurasier nicht bange sein muss, wenn sich die Vielfalt der Rasse so deutlich dokumentiert.

Dies erlaubt es uns nun die beiden Populationen, wo gewünscht, einander näher zu bringen und damit eigene oder gemeinsame züchterische Ziele zu verfolgen oder sogar in Einklang zu bringen.

Dass am Ende dieser Präsentation schon der Wunsch nach einem ausgesuchten IGAE-Rüden von einer aktiven Züchterin und einer weiteren, an der Zucht Interessierten, an mich heran getragen wurde, stimmt mich hoffnungsfroh.

Und ich darf nicht vergessen zu erwähnen, dass die Gelegenheit zur Auffrischung alter und Anbahnung neuer Freundschaften reichlich genutzt wurde.

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Danke!

Mein Dank geht nochmals an alle Teilnehmer, die eine solche Veranstaltung erst ermöglichten.

So lassen Sie mich den oben stehenden Satz von Julius Wipfel aktuell abwandeln in:

"Die Zuchtgeschichte des EURASIERS ist einmalig und anders als die seiner Artgenossen…"

Monika Guhrmann
am 21.10.2010 noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten

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